Pressemitteilung

17.07.2012

Vom eigenen Prototypen zur Komplettlösung

Albwerk GmbH entwickelt mit ACD Elektronik und SEStec eigene Lösung zur Überwachung und Steuerung von EEG-Anlagen

Wo Stadtwerke früher nur vier bis fünf große Kraftwerke im Blick behalten mussten, kommt es heute darauf an, zahlreiche dezentrale Anlagen zu überwachen und zu steuern. Hinzu kommt die wetterbedingte Einspeisung der Photovoltaik-Anlagen oder Windräder, wobei es eine Vielzahl von gesetzlichen Vorgaben wie das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) zu beachten gilt. So müssen gemäß der Neufassung des EEG alle Anlagen zur Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen seit dem 1. Juli 2012 mit einer Leistung von mehr als 30 kWp mit einer technischen Einrichtung zur ferngesteuerten Leistungsreduzierung ausgestattet sein. Bei Installationen mit 100 kWp und mehr muss zudem die jeweilige IST-Einspeisung abrufbar sein. Diese Regularien gelten ab dem 1. Januar 2014 dann auch für Anlagen, die über ein Leistungsvermögen von weniger als 100 kWp verfügen.

Regionale Stadtwerke wie die Albwerk GmbH im süddeutschen Geislingen stellt dies vor eine komplexe Aufgabe. Gängige Rundsteuerungsempfänger bieten keine bidirektionale Kommunikation und sind daher für eine vorgabenkonforme Prozessabwicklung ungeeignet – bei den Schwaben fielen sie daher direkt durch. „Diese Lösung kam für uns – gerade im Hinblick auf die ab dem 1. Januar 2013 gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation vor und nach dem Abschalten einer Anlage – nicht in Frage“, erklärt Wilfried Sauter, Leiter der Abteilung Zähler- und Messwesen beim Geislinger Energieversorger. Sauter und sein Team wollten eine individuelle Lösung und setzten sich aus diesem Grund mit der ACD Elektronik GmbH in Verbindung. Die Entscheidung für das Unternehmen war kein Zufall, schließlich arbeitete man schon seit 1997 im Bereich Zähler und Lastprofil-Fernauslesung zusammen.

Gezielte Ausrichtung an die Anforderungen

Die Geislinger wollten jedoch nicht nur möglichst schnell eine einfache Lösung finden: Sie sollte weder bei den mehr als 50.000 Kunden noch im eigenen Hause hohe Kosten verursachen. Die Anforderungen an den ersten Prototypen waren klar definiert: Zum einen sollte er zukunftsfähig sein, also auch mit kommenden Gesetzesvorgaben „wachsen“. Zum anderen sollte er von Anfang an so viel Transparenz wie nur möglich bieten. Die ACD Elektronik GmbH mit Standorten im süddeutschen Achstetten sowie in Neustadt (Orla) stellte mit dem ComuConts für dieses Projekt bereits die passende Übertragungseinheit zur Verfügung.

Parallel zur Optimierung der Hardware wurde Dieter Schneider, Geschäftsführer der SEStec aus Tettnang, mit der Entwicklung der passenden Software beauftragt. Auch hier setzte Sauter auf langjährige Geschäftsbeziehungen. Schneider hatte in den 1990er Jahren eine Software für die Fernablesung entwickelt, die seit 1992 in Geislingen im Einsatz ist und seither kontinuierlich angepasst wird. Neben der Fernübertragung über GSM setzte Schneider besonders auf die Möglichkeiten der IP-Telemetrie: „Die IP-Telemetrie kann zeitgleich auf das gesamte Netz zugreifen. Da sich der IP-Telemetrie-Server außerhalb der Firewall befindet, ist das eigene Intranet nicht angreifbar, der Zugriff auf die benötigten Daten findet demnach immer von innen nach außen statt.“ Darüber hinaus ist sich Schneider sicher, dass die Übertragungskapazität von herkömmlichen Telefonleitungen in den nächsten Jahren für die Datenübermittlung zwischen der Anlage zur Energieerzeugung und den Systemen des Versorgers nicht mehr ausreicht, so dass das Internet die führende Rolle einnehmen wird.

Gut gerüstet für Smart Grid

Gemeinsam mit ACD und SEStec wurde eine Lösung entwickelt, mit der sich die Albwerk GmbH für die Zukunft gewappnet fühlt – gerade mit dem Blick auf das Thema Smart Grid. Private Anlagenbetreiber benötigen lediglich einen Expander für ihre Anlage, das zusätzlich benötigte Modem wird ihnen von der Albwerk GmbH gegen eine geringe Mietgebühr zur Verfügung gestellt und bei Bedarf kostenlos ausgetauscht. Bei dem Zählerfernauslesemodul der Albwerk GmbH handelt es sich um das neue ComuCont Quad+ von ACD mit einem integrierten GSM/GPRS-Quad-Band-Modem.

Im GSM-Netz erreicht das Modem bei einer CSD-Verbindung Datenraten von bis zu 9.600 Bit/s und mit einer GPRS-Verbindung 53,6 kBbit/s in der Sekunde. Mit dem Modul ist sowohl die Übertragung abrechnungsrelevanter Daten als auch die Durchführung von Fernwartungen möglich. Parametriert wird das Gerät über das Programm Paracom. Für die komplette Überwachung von EEG-Anlagen stellt das ComuCont Quad+ eine über Protokolle abgesicherte Verbindung zur Verfügung. Bei jeder Abschaltung einer Anlage erfolgt sofort die Rückmeldung per SMS an die Netzleitstelle, die so bei auftretenden Problemen direkt reagieren kann. „Wird gegenwärtig mehr Strom produziert als benötigt, müssen einzelne Anlagen abgeschaltet werden, um den sicheren Betrieb des Netzes zu gewährleisten. In diesem Fall generiert die Software automatisch eine E-Mail mit allen relevanten Daten für den jeweiligen Anlagenbetreiber“, erläutert Sauter und fügt hinzu, dass sämtliche Funktionen durch ein Passwort geschützt sind.

Über die Ein- und Ausgänge am Modul können Zähler synchronisiert, Funkuhrsignale empfangen, Alarmeingänge überwacht oder Schaltvorgänge durchgeführt werden. Die Netzleitstelle hat so maximale Kontrolle. Das Ergebnis der Zusammenarbeit von ACD, SEStec und dem Albwerk stößt auf großes Interesse: Die Stadtwerke Fellbach, Au, Zwiefalten sowie das Regionalwerk Bodensee nutzen diese Lösung mittlerweile ebenfalls.

Kontinuierliche und konsequente Weiterentwicklung

In den kommenden Jahren muss auf EU- und Bundesebene mit weiteren Vorgaben und Regularien zum Thema Smart Grid gerechnet werden. Gegenwärtig beschäftigt Wilfried Sauter die geplante Novellierung des gesetzlichen Messwesens und die daraus resul-tierenden technischen Anforderungen an das Einspeisemanagement: „Sowohl Hard- als auch Software sind jedoch so ausgelegt, dass wir auf neue Gesetzmäßigkeiten zeitnah reagieren können.“ Das Thema Grid Security Control bereite ihm und seinem Team auf keinen Fall mehr Kopfschmerzen. Auch für ACD war die Zusammenarbeit effektiv. Dazu Johann Bolkart, Mitbegründer der ACD Elektronik GmbH: „ Solche Neuentwicklungen treffen exakt die Bedürfnisse der Branche, da sie auf konkreten Anforderungen der Praxis basieren.“